Zertifizierung einer Ausbildungsgruppe in Eutonie-Pädagogik 2019 in Kenzingen

 

Das Bild zeigt die neu zertifizierten Eutonie-Pädagoginnen mit Ihren Lehrkräften.

Die Eutonie-Pädagogik-Ausbildungsgruppe begann im Oktober 2017 und endete mit der Zertifizierung im Juni 2019.

 

 

 

Beispiele für berufliche Einsatzbereiche der Eutonie Gerda Alexander

Im Rahmen der pädagogischen Eutonie-Ausbildung geben die Absolventen externe Eutonie-Kurse. In Protokollen beschreiben sie ihre Vorbereitung und Durchführung der Eutonie-Stunden und ihre eigenen nachträglichen Reflektionen.

Auszüge aus den Protokollen weisen schon auf den späteren professionellen Einsatz hin.

 

Gruppe mit psychisch Erkrankten

Auszug aus der Abschlussarbeit:

Die Eutonie interessiert mich, da sie eine ganzheitliche Methode ist, mit der Körper - Seele - Geist angesprochen werden können. Der Körper drückt die seelischen Gegebenheiten aus und zeigt diese auf. Somit können durch die Arbeit am Körper nicht nur körperliche Belange, sondern auch die emotionale und seelische Situation beeinflusst werden.

Dies ist für mich eine wesentliche Sache. In meinem Beruf als Pflegefachfrau kann ich immer wieder feststellen und erleben, wie eng Körper und Seele miteinander verknüpft sind. Die Eutoniepädagogik ist zudem eine Methode, die Menschen zur Selbstständigkeit führt und ihnen die Verantwortung für sich selbst bewusst macht. Es ist jedem Einzelnen überlassen, wie intensiv er daran arbeiten will. Das ist ein weiterer wichtiger Aspekt.

Es ist mir bewusst, dass die Arbeit mit Menschen mit psychischen Problemen für mich als Auszubildende eine große Herausforderung darstellt. Mein Mann ist Psychiater und Psychotherapeut. Er arbeitet auch in diesem Sinne. Dadurch ergab es sich, dass ich die erste Gruppe in der Eutonie-Ausbildung mit psychisch Erkrankten aus der Praxis meines Mannes begann. Er ist Teilnehmer dieser Gruppe und kann somit allfällig auftretende Probleme im seelischen Bereich auffangen und bearbeiten. Es ist für seine Klienten in Ordnung, dass er auch an der Gruppe teilnimmt.

Mode, Design, Gestaltung

Auszug aus der Abschlussarbeit:

Einleitung – Warum Körperarbeit?                                                                         

Mit meiner Weiterbildung zur Eutonie-Pädagogin (2017 - 2019) bin ich meinem Bedürfnis gefolgt, mehr über die vielschichtige Einbettung des gesunden Körpers in seine unmittelbare, alltägliche Umwelt zu lernen. Der endliche Körper enthält das Unendliche, das weder Seele noch Geist ist: die Entwicklung des Körpers selbst. Er enthält damit, was es anschließend zu entfalten gilt. Der Körper ist unsere unmittelbare Realität, Wohnung unseres Geistes und unseres Selbst.

Er ist eine Einheit, die sich an der Schnittstelle zur Außenwelt nur schwer verteidigen lässt. Der Körper kann auf seine Art und Weise sprechen, denken, träumen und emotionale Reaktionen auslösen. Der Körper spürt unablässig!

Er spürt Kleiderhäute, Feinstoffliches, Gras, Steine, Metall, Hasenfutter sowie in der Körperarbeit verwendeten Materialien, wie zum Beispiel ein Holzei, einen Bambusstab oder ein Seidenfoulard. Folgende Fragen leiten mich bei meiner Auseinandersetzung mit dem theoretischen Wissen und den praktischen Techniken, die ich im Rahmen meiner Weiterbildung erlernt habe: Wie sind wir über unseren Körper mit der Welt in Berührung? Welche Formen des Kontaktes lassen wir zu? Wie wirkt sich Körperarbeit nach Gerda Alexander auf kreative Prozesse aus? Welchen Einfluss hat das eigene Körperverständnis auf das Verständnis von Mode-Design? Wie lassen sich Körperarbeitstechniken nach Gerda Alexander zur Etablierung eines ganzheitlichen Designansatzes in die Lehre (Bachelor und Master) am Institut Mode-Design HGK FHNW in Basel integrieren? Mein persönliches Ziel ist es, mit meinem neu erlernten Knowhow Studierende anzuleiten und zu begleiten, ihren individuellen Körper jenseits konventioneller und tradierter Schönheitsnormen vertieft kennen und schätzen zu lernen und dadurch letztlich schöpferische Mode-Experimente anzuregen und neue Entwurfsmethoden in die Curricula einzuführen. Den Rahmen für dieses, von mir als Form der ästhetischen Selbstsorge erachtetes Vorgehen bildet zukünftig die «ARENA». Hierbei handelt es sich um eine neu initiierte Plattform des Instituts Mode-Design, die experimentellen, interdisziplinären und performativen Veranstaltungen im Kontext einer Praxis basierten Forschung Raum gibt und bei denen der Mensch als Ereignis im Zentrum steht.

Ambulantes Kinderhospiz

Auszug aus der Abschlussarbeit:

Seit 2004 betreut die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München Familien mit unheilbar kranken und lebensbedrohlich schwersterkrankten Ungeborenen, Neugeborenen, Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in München und ganz Bayern. Weiterhin werden lebensverkürzend schwererkrankte Eltern mit minderjährigen Kindern von der Stiftung betreut. Dabei wird das multiprofessionelle Team aus Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen, Krankenschwestern und Therapeuten von über 200 qualifizierten Ehrenamtlichen in den Bereichen Krisenintervention, Familienbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt (www.kinderhospiz-muenchen.de(link is external), 2019)

Für die Leitung der Teilhabeorientierten Nachsorge (TN) und Prävention war es für mich von Interesse zu erfahren, ob die Eutonie eine Möglichkeit darstellt, um pflegenden Angehörigen psycho-physische Unterstützung zu bieten. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher auch mit der Wirkung und Bedeutung körpertherapeutischer Angebote im Rahmen der Teilhabeorientierten Nachsorge und Prävention. Das Ziel war, die subjektive Sichtweise der Teilnehmer zu ermitteln, um eine Aussage über die Wirkung der Eutonie zu erhalten und mir eine Übersicht über ein weiteres Angebot im Bereich Teilhabeorientierte Nachsorge und Prävention zu verschaffen.

Pädagogische Vermittlung der Eutonie Gerda Alexander

Auszug aus der Abschlussarbeit:

Meine Motivation ist es, den Teilnehmer/innen in den Kursen die Möglichkeit aufzuzeigen, ihren Körper mittels der Eutonie-Methode von den Füssen bis zum Kopf bewusst wahrzunehmen. Das erlernte Übungsmaterial gibt mir Struktur und Sicherheit in der Unterrichtsplanung. Die Herausforderung ist nun, die Eutonie-Prinzipien klar und deutlich formuliert anzuleiten Dabei konzentriere ich mich in diesen Stunden hauptsächlich auf die Prinzipien Berührung, Kontakt und Transport.

Das Ankommen auf der Unterlage und das „In Berührung kommen“ mit einem Material ist meine Einleitung. Dann gehe ich in die ausgewählte Bewegungsfolge über. In jeder Übungsstunde wird ein Eutonie-Prinzip hervorgehoben und körperliche Strukturen und Zusammenhänge erfahrbar gemacht. Die Pausen und das Nachspüren dienen der Verinnerlichung des körperlich Wahrgenommenen. Am Ende der Kursstunde kommen alle zu einer Austauschrunde zusammen mit der Gelegenheit, Rückmeldungen über ihr körperliches Empfinden vor, während  und nach der Eutonie-Stunden zu geben.

Ein Fragebogen wurde nach der letzten Stunde verteilt und ausgefüllt. Er gibt einen interessanten Einblick in die Erfahrungen der Kursteilnehmer/innen

Umgang mit Schmerz – Veränderung erleben

Auszug aus der Abschlussarbeit:

Bevor ich die Eutonie-Methode kennen lernte, war Schmerz mein täglicher Begleiter. Auch heute noch kenne ich Schmerzen allzu gut, aber sie sind seltener geworden und ihre Intensität hat nachgelassen – und dies hat mich aus meiner Hoffnungslosigkeit herausgeholt. Das Buch „Bewusst mit dem Körper leben – Spannungsausgleich durch Eutonie“ von Mariann Kjellrup (1981) kam in meine Hände. Das war genau, was mir fehlte: „Spannungsausgleich“.  … Auf der Website der Isolde-Richter-Schule in Kenzingen fand ich das Webinar-Angebot von Barbara Seitz und nahm daran teil. Nach dem dritten Webinar war mir klar, dass ich an der Eutonie-Ausbildung teilnehmen wollte. Ich war fasziniert von der Freiheit, die ich als Teilnehmende hatte. Es gab kein „falsch“, ich konnte nach meinen Möglichkeiten üben. Ich war entspannt, ja fast schon erlöst durch diese Freiheit und gleichzeitig dem Getragen-werden von der Stimme und den Anleitungen.

Die Rückmeldungen meines Umfeldes taten ihr Übriges dazu: „Was hast Du gemacht? Du siehst heute so glücklich und gelöst aus.“ Das Beste war der überraschte Ausruf meines Mannes: „So ein entspanntes Gesicht habe ich schon lange nicht mehr gesehen.“ 

Nachdem ich verschiedenen Personen in meinem Bekanntenkreise erzählt hatte, dass ich im Rahmen meiner Ausbildung zur Eutonie-Pädagogin eine Übungsserie von 6 Eutonie-Einheiten anbiete, bildete sich eine kleine Gruppe, die Interesse hatte, Eutonie selbst zu erleben. Alle hatten die Beschwerden der Menschen, die eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ausüben. Heute ist diese Gruppe von der Wirkung der Eutonie-Methode positiv überrascht und angetan. Allen hat die Vielfalt und die neuen Möglichkeiten gefallen, etwas Gutes für sich zu tun. Was die Eutonie in mir und für meine Weiterentwicklung bewirkt hat, hat für mich einen unschätzbaren Wert.

Unterrichten im Freundeskreis

Auszug aus der Abschlussarbeit:

Die Eutonie-Stunden führte ich zuhause in meinem Wintergarten durch, da eine öffentliche Einrichtung mir als Privatperson nicht zur Verfügung stand. Platzbedingt konnte ich allerdings nur maximal vier Personen annehmen. Der erste Kurs startete bereits im März 2018. Da ich terminlich allen Teilnehmern gerecht werden wollte, unterrichtete ich im Schnitt alle 14 Tage eine Unterrichtseinheit. Zu meiner Freude ergab sich ab August 2018 noch ein weiterer Kurs mit drei Teilnehmern, der ebenfalls 14-tägig stattfand.

Diese sehr privaten Unterrichtssituationen habe ich nur mit Personen aus meinem Bekanntenkreis durchgeführt. Mir ist bewusst, dass dies ein sehr geschützter Rahmen ist und in einer größeren Gruppe mit fremden Teilnehmern ganz andere Schwierigkeiten auftauchen werden. Aber auch von der einen oder anderen Freundin bekam ich ein ehrliches Feedback zu meiner Person und dem Unterricht, was sehr hilfreich war.


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